2022 | © Michael Cremer
© Michael Cremer

DAV-Hauptversammlung 2022

DANKE AN JOSEF KLENNER

 

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PG_KLE.jpg

Ressort Aussenvertretung

Ein Viertel Jahrhundert hat Josef Klenner als Präsident die Geschicke des Deutschen Alpenvereins (DAV) gesteuert. Nun wurde er auf der DAV-Hauptversammlung in Koblenz Mitte November verabschiedet. Ein bewegender Moment. Denn die meisten Delegierten dürften ihrerseits kein DAV-Präsidium erlebt haben, das nicht unter seiner Führung stand. Mit dem bisherigen Vizepräsident Roland Stierle wählte die Hauptversammlung aber einen Nachfolger, der Klenner an Erfahrung nicht nachsteht und die Strukturen des DAV sehr gut kennt. Und das sind sicher wichtige Faktoren, um den DAV durch die Digitalisierung und vor allem in die Klimaneutralität zu lenken.

Gerade die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts, das die Klimaneutralität bereits 2030 erreichen will, trieb viele Sektionsdelegierte noch um. Grund hierfür: der Aufwand für die Emissionsbilanzierung als erster Schritt, der aus ihrer Sicht das Ehrenamt an seine Grenzen führt und wohl so auch Unmut erzeugt, z.B. bei Tourenleiter*innen, die sich teils sogar weigern, entsprechende Informationen bei ihren Teilnehmer*innen abzufragen. Zwar sicherte der Bundesverband Hilfe und Unterstützung zu, um das Ehrenamt hier zu entlasten. Das Konfliktpotenzial dürften dem DAV und seinen Sektionen aber noch eine Weile erhalten bleiben. Konsens bestand aber darin, dass es ohne eine verlässliche „Wasserstandsanzeige“ und einen aussagekräftigen „Tachometer“ nicht gelingen wird.

Nach wie vor befindet sich der DAV auch auf seinem Weg in die digitale Welt, der länger werden wird als ursprünglich geplant und somit auch teurer. Dennoch wird der Bundesverband mit dem angesetzten Finanzrahmen auskommen. Es sollen also keine zusätzlichen Belastungen auf die Sektionen zukommen. Und die Plattform DAV360 wird Mehrwert bieten. So erhält sie beispielsweise ein Tool zur Emissionsermittlung für Veranstaltungen, Angebote und Touren, das den Weg zur Klimaneutralität wiederum erheblich vereinfachen dürfte.

Vereinfacht wurden auch die Verfahren für die Förderung von Baumaßnahmen an Hütten. Es entfallen teils die aufwendigen Antrags- und Genehmigungsverfahren. Und auch Mittelgebirgshütten kommen nun in den Genuss der DAV-Hüttenförderung. Insgesamt also eine Verbesserung der Beweglichkeit und Schnelligkeit des Fördersystems, was wichtig werden dürfte für die Maßnahmen, die zur Anpassung an die Folgen des fortschreitenden Klimawandels notwendig werden. Denn insbesondere die Infrastruktur im Hochgebirge wird sich im Zuge dessen massiv verändern. Teils wird dies sicher den Rückzug des Menschen aus bestimmten Alpenregionen bedeuten, während die Hütten und Wege in Mittelgebirgsregionen einen höheren Stellenwert erhalten werden.

2022 | © Michael Cremer
© Michael Cremer

Schließlich bekam der DAV mit Roland Stierle (Sektion Stuttgart) nicht nur einen neuen Präsidenten. Zum neuen Vizepräsidenten wählten die Delegierten Ernst Schick (Sektion Straubing), während Melanie Grimm als Vizepräsidentin bestätigt wurde. Auch wurden mehrere Verbandsratsmitglieder neugewählt oder bestätigt. Und der DAV hat nun einen Ehrenpräsidenten. Mit knapp 100 Prozent der Stimmen erhielt Josef Klenner in Koblenz ein klares Votum für seine geleistete Arbeit und bleibt dem DAV somit mit Rat und sicher auch noch mit der einen oder anderen Tat erhalten.

Für die Sektion Koblenz war es übrigens der dritte Anlauf zur Ausrichtung der DAV-Hauptversammlung. Verhinderten zunächst Verzögerungen beim Aus- und Umbau der Rhein-Mosel-Halle die Hauptversammlung in Koblenz, waren es im zweiten Anlauf dann die durch die Corona-Pandemie bedingten Schutzmaßnahmen, die ein Stattfinden verhinderten. So freuten sich der Sektionsvorsitzende Dötsch wie der der Koblenzer Oberbürgermeister Langner, die Delegierten und die vielen Ehrengäste nun endlich in der Rhein-Mosel-Metropole begrüßen zu können. So waren neben dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Thomas Welkert, auch die Verbandsführungen des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), des Alpenvereins Südtirol (AVS) und des Club Alpino Italiano (CAI) in Koblenz zu Gast. Während DOSB-Präsident Welkert in seinen Grußworten die Führungsrolle des DAV in der deutschen Sportvereinslandschaft betonte – der DAV ist mittlerweile der viertgrößte Verband im DOSB, unterstrich ÖAV-Präsident Ermacora stellvertretend für die verbundenen Bergsportverbände die vom DAV maßgeblich gepflegte und gelebte Freundschaft und bedankte sich in diesem Zusammenhang auch noch einmal ganz persönlich bei Josef Klenner. Der DAV wiederum bedankte sich beim deutschen Paraclimbing-Team und dem Kraxlkollektiv der Sektionen München und Oberland. Sie erhielten den DAV-Sport- bzw. -Ehrenamtspreis. Das Grüne Kreuz, mit dem der DAV die Verbundenheit mit der Bergwacht pflegt, wurde in diesem Jahr an Tobias Wechs aus Hinterstein in den Allgäuer Hochalpen verliehen. Das DAV-Umweltgütesiegel erhielten in diesem Jahr das Hochjoch Hospiz und die Martin Busch Hütte, beide Hütten der Sektion Berlin und im Ötztal gelegen.

Fazit insgesamt: Auch in den zuletzt schwierigen Zeiten beweist der DAV seine Stand- und Krisenfestigkeit. Weiter steigende Mitgliederzahlen und solide Finanzen ebnen ihm so den Weg in die Zukunft – klimaneutral und digital modern.

Text + Fotos: Michael Cremer