2023 | © Michael Cremer
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DAV ringt um Zukunftsthemen

INTENSIVE DISKUSSIONEN AUF DER DIESJÄHRIGEN HAUPTVERSAMMLUNG

 

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Ressort Kommunikation

Die ausrichtende Sektion Lindau hatte den Tagungsort aufgrund der gut 650 Delegierten schon nach Bregenz (A) ins Konferenzzentrum an der bekannten Seebühne gelegt. Und auch über den DAV hinaus war das Interesse groß. Videobotschaften des bayrischen Ministerpräsidenten und der Bundesinnenministerin unterstrichen das genauso wie die Vertretungen der befreundeten Bergsportverbände und des Deutschen Olympischen Sport-Bunds (DOSB). Doch ging es weniger um Harmonie, sondern mehr um die Auseinandersetzung und Beantwortung wichtiger Zukunftsfragen.

So musste der DAV erkennen, dass der Weg in die Klimaneutralität sehr steinig sein kann, wenn es darum geht, erst einmal ehrlich zu ermitteln, wo man steht. Denn mit der Datenerhebung und Bilanzierung klimaschädlicher Emissionen ist der größte Bergsportverband der Welt und Deutschlands mitgliederstärkster Naturschutzverband noch nicht so weit wie er eigentlich sein wollte. Dennoch zeichnet sich nach der Erfassung eines guten Drittels der knapp 360 Sektionen ein deutliches Bild ab, wobei besonders die Detailtiefe interessante Ergebnisse zu Tage brachte, etwa dass bei den bewirtschafteten Hütten der größte Teil der Emissionen auf die Verpflegung entfällt. Jedenfalls scheint der DAV mit dem eingerichteten Klimafonds unterm Strich gut aufgestellt, um die nötigen Maßnahmen anzugehen und seine Emissionen runterzufahren. 2030 soll dann die Nulllinie erreicht werden. Jedenfalls hatte schon am Freitagabend der weltweit anerkannte Klimaforscher Prof. Georg Kaser (Universität Innsbruck) sehr deutlich gemacht, dass sich die Fenster des Handelns in den nächsten Jahren nach und nach schließen werden. Einen Schritt unternahm die Hauptversammlung im Übrigen, indem sie sich nahezu einstimmig für Tempo 120 auf Autobahnen aussprach, was zuvor schon bei bei der Vollversammlung der Jugend (jdav) in Hamburg erfolgt war. Damit ist auch an seine Mitglieder ein klarer Appell ausgesprochen. Noch besser natürlich: ganz aufs Auto verzichten. Was hier geht, zeigen zum einen spezifische Tourempfehlungen, die gut mit der Bahn und dem ÖPNV angegangen werden können, oder auch auch die Möglichkeit beim DAV Summit Club, Fahrgemeinschaften zu organisieren.

Keine Kuschelnummer war hingegen die erwartet harte Diskussion um die von Präsidium und Verbandsrat eingeforderte Erhöhung der Verbandsbeiträge, für die die beiden DAV-Spitzengremien gute Gründe anführten. Denn neben der krisengeschuldeten Inflation trafen den Bundesverband manche Preissteigerungen, bspw. im Baugewerbe, besonders hart. Dennoch konnte die Verbandsführung ihre Vorstellung nicht vollständig durchsetzen. Schließlich machten auch die Sektionen klar, dass sie unter der Preisentwicklung zu leiden hätte und die Erhöhung der Verbandsbeiträge diesen Effekt noch verstärken würde. So blieben von den geforderten 5,50 Euro Beitragserhöhung für ein sog. A-Mitglied letztlich 3,50 Euro.

Eher trockene Themen boten die anstehenden Satzungsänderungen. Hier ging es darum, den Klimaschutz ausdrücklich in den Vereinszwecken festzuschreiben, aber auch die Hauptgeschäftsführung sprachlich zu gendern und zeitgemäß in der Verbandsstruktur zu verankern. Um so emotionaler wurde es bei der Einordnung der politischen Neutralität des DAV ob der aktuellen Ereignisse im Nahen Osten. Denn einerseits hatte der Verband den Angriff auf Israel klar und deutlich verurteilt. Andererseits unterstrich die Diskussion im Ergebnis aber auch, dass der Verband Meinungsvielfalt und unterschiedliche gesellschaftliche Strömungen in seinen eigenen Reihen respektiert, solange sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen.

Meinungsvielfalt im Verband zeigte sich auch bei den Einschätzungen zur Leistungssportentwicklung und zum Mountainbiking. Während beides für einige Delegierte offensichtlich entbehrlich war, unterstrich der Großteil den Anspruch eines Spitzenverbands, um in der Lage zu sein, Einfluss zu nehmen und Akzente setzen zu können. Doch ist die Diskussion hier sicher noch nicht beendet, bis die derzeit laufende Leistungssportevaluierung klare Ergebnisse liefert. Auch fürs Mountainbiking als Kernsportart des DAV scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Einerseits ist der Verband in diesem Teil der Sportwelt nicht allein unterwegs. Andererseits fehlt es hier noch außerhalb der Alpen an Infrastruktur. Und ob dies aufgrund der ohnehin schon derzeit angespannten finanziellen Situation so ohne Weiteres zeitnah zu schaffen ist, kann mit Zweifeln versehen werden. Dennoch unterstrichen die Delegierten mit ihren Entscheidungen den Willen dazu.

Schließlich ging mit der offiziellen Verabschiedung von Olaf Tabor als Hauptgeschäftsführer eine Ära zu Ende, die aber in bewährte Hände gelegt wurde und somit wohl weitergeführt wird. Denn die Hauptversammlung kürte Andrea Händel zur Nachfolgerin - als erste Frau in diesem Spitzenamt. Auch durfte sich das Präsidium um Roland Stierle wie auch der Verbandsrat über neue Mitglieder freuen. Während die Versammlung Wolfgang Arnoldt und Annika Quantz (jdav) zu Vizepräsident*innen wählten, erhielt der Verbandsrat regionale Verstärkungen aus verschiedenen Landesverbänden und Sektionentagen. Für NRW wurde Kalle Kubatschka (Sektion Rehinland-Köln) wieder in dieses Gremium gewählt. Und der DAV dankte nicht nur dem Bergretter Achim Tegethoff mit dem Grünen Kreuz, sondern ehrte auch drei Sektionsinitiativen mit inklusiven Angeboten für ihr Engagement.