2022 | © Michael Cremer
© Michael Cremer

Mallnitzer Wanderwochen 2022

DIE GANZE VIELFALT DER BERGE

 

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Ressort Wandern

Das Bergsteiger*innendorf Mallnitz heißt nicht umsonst die „Perle des Nationalparks“. Drei Täler treffen sich an dem beschaulichen Ort direkt am Alpenhauptkamm. Doch bieten sich im Gebiet nicht nur Hochgebirgstouren an. Auch wunderschöne Talwanderungen, spannende Klammbegehungen oder Besuche der geschichtsträchtigen Orte in der Umgebung locken. Darüber hinaus laden urige Berggasthöfe oder auch die Hütten am Tauernhöhenweg zu einer Stippvisite ein. Besser kann der Boden für tolle Bergerlebnisse kaum bereitet sein.

Nicht nur deswegen bietet der Mülheimer Alpenverein alljährlich im Spätsommer die Mallnitzer Wanderwochen an. Schließlich liegt auch sein alpines Arbeitsgebiet, der Westerfrölkeweg mit Böseckhütte (2.594m), in den Mallnitzer Bergen. Das Lonzaköpfl (2.317m) am Einstieg ist einer der Mallnitzer Hausberge, und der Feldseekopf (2.864m) am Ende des Westerfrölkewegs schließt das Tauerntal, das sich von Mallnitz aus Richtung Westen erstreckt. An der Feldseescharte (2.713m) trifft der Westerfrölkeweg schließlich auf den Tauernhöhenweg, eine der spannendsten Fernwanderrouten der Ostalpen. Von hieraus gibt die Sicht in Richtung Westen schon den Blick auf den Großglockner (3.798m) frei, in Richtung Osten auf die Hochalmspitze (3.360m), die Königin der Hohen Tauern.

Auch die diesjährigen Touren führten die Teilnehmer*innen ins Hochalpine, etwa auf den Auernig (2.130m), einer der schönsten Aussichtsgipfel von Mallnitz. Von ihm aus bietet sich ein fantastischer Blick auf den Westerfrölkeweg und den Alpenhauptkamm vom Ankogel (3.252m) bis zum Vorderen Geiselkopf (2974m). Eine weitere Tour führte vom Seebachtal aus in Richtung Korntauern (2.459m) auf den Tauernhöhenweg bis zum Hannoverhaus (2.565m). Von hier ging es weiter auf die Grauleitenspitze (2.891m) und schließlich noch zur Arnoldhöhe (2.720m) , bevor die Ankogelbahn alle wieder zurück ins Tal brachte. Doch auch die Tallagen wurden erkundet. So führte eine Tour ins malerische Seebachtal. Das fjordartige Tal mit seinen steilen Hängen weist eine Vielzahl beeindruckender Wasserfälle auf. Und der Stappitzer See wirkt wie der Fantasie entsprungen, wie ein romantisches Gemälde. Spektakulär: die Klammwanderung durch Ragga-, Groppenstein- und Rabischschlucht, jede mit einem ganz eigenen Charakter. Unterwegs stand auch noch eine Runde durch Obervellach im Mölltal auf dem Programm. Die Kulisse zeigt unverkennbar, dass dieser Ort schon im Mittelalter eine wichtige Drehscheibe war – für den Bergbau in der Region wie auch für den Handel zwischen Nord und Süd. Auch der Name der Gebirgsgruppe, in dem Westerfölkeweg und Böseckhütte liegen, zeugt von dieser Zeit: die Goldberggruppe. Und Obervellach hat noch etwas Besonderes zu bieten: eine Mülheimer Gasse. Warum auch immer ...

2022 | © Michael Cremer
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Aber nicht nur die intensiven Wandererlebnisse begeisterte die Gruppe. Auch die heimelige Atmosphäre der Villa Talheim, wo die Teilnehmer*innen untergebracht waren, weckte bei allen das Bedürfnis, noch einmal wiederkommen zu wollen. Denn Gastgeberin Susanne Wilkens wusste noch viele Touren zu empfehlen. Schließlich ist sie selbst viel in den Mallnitzer Bergen unterwegs. Einer ihrer Favoriten ist das Dösental mit dem Arthur-von-Schmid-Haus (2.275m) am Säuleck (3.086m), das von der Hütte gut bestiegen werden kann. Auch eine Überschreitung der Liesgele (2.408m) bis zur Mindener Hütte (2.431m) ist eine tolle Tour, die mit der Hindenburghöhe (2.315m) auch eine interessante Historie zu bieten hat. Denn mehrere Alpenvereinssektionen aus Deutschland und Österreich errichteten dem damaligen Heeresgeneral und späterem Reichspräsidenten hier 1915 ein Monument in luftiger Höhe. In Planung ist nun, am Monument einen Info-Punkt zur geschichtlichen Einordnung einzurichten. Auch an anderer Stelle ist Geschichte erlebbar. So finden sich entlang des Tauernhöhenwegs wie auch im Tauerntal beim Aufstieg zur Hagener Hütte (2.448m) Spuren der Römer, die hier Trassen für den Bergbau anlegten, aber auch für die Überschreitung ins Gasteiner Tal auf der anderen Seite des Alpenhauptkamms.

Wer also in der Mallnitzer Umgebung unterwegs ist, trifft auf reichhaltige Möglichkeiten für jeden Geschmack. So hat zum Beispiel auch der Nationalpark Hohe Tauern mit seinen Ranger*innen ein abwechslungsreiches Programm an Touren durch das größte Schutzgebiet der Alpen. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist Mallnitz übrigens eine Topadresse. Denn aus der Rhein-Ruhr-Region wird der Ort nonstop per Bahn angesteuert. So werden die gut 1.000 Kilometer ohne Stress und emissionsarm überwunden. Vor Ort steuert der örtliche Wanderbus die Ausflugsziele und Ausgangspunkte für Bergtouren an. Viele können aber auch direkt vom Ort aus angegangen werden. Genügend Stoff also für die Mallnitzer Wanderwochen im kommenden Jahr, die wieder im Spätsommer angeboten werden wollen.

Text + Fotos: Michael Cremer