Wer auf einer Tour schon einmal in Bergnot geraten ist, hat die Hilflosigkeit erfahren, die von den Naturgewalten des Hochgebirges ausgehen kann, wenn die eigene Kraft, das Material ihnen nichts mehr entgegenzusetzen hat, man sich ohne Unterstützung nicht mehr aus einer lebensbedrohlichen Situation befreien kann. In den bayerischen Bergen ist dann die Bergwacht, im österreichischen Alpenraum die Bergrettung zur Stelle, um Leben zu retten – professionell, kompetent … und ehrenamtlich. Das Risiko, in Bergnot zu geraten, ist in den letzten Jahren größer geworden. Und das aus unterschiedlichen Gründen. So haben die Corona-Jahre viele Menschen mit wenig alpiner Erfahrung ins Gebirge gebracht, die aufgrund mangelnder Erfahrung, Kompetenz, Materialbeherrschung und Risikoeinschätzung in Notsituationen gerieten. Aber selbst erfahrenen und gut ausgebildeten Bergsteiger*innen stellen die durch den Klimawandel ausgelösten Geländeveränderungen immer öfter vor Probleme, die mit all ihrer Kompetenz nicht mehr eigenständig lösen können. Steinschlag, Lawinen, Rutschungen und Abgänge ganzer Formationen lassen sich kaum noch zuverlässig einschätzen und sind somit nicht mehr beherrschbar.
Der Zusammenhang ist eigentlich trivial. Mit dem Rückgang des Permafrosts verlieren Gebirge ihren Kitt, sie können so ihr enormes Gewicht immer weniger tragen. Auch das Exoskelett der Berge, der Bergwald, ist durch den Klimawandel einem enormen Druck ausgesetzt. Er ist massiv erkrankt, weil sich die Vegetation der enormen Geschwindigkeit des Klimawandels nicht schnell genug anpassen kann. Damit kann er dem Druck des Gebirges immer weniger standhalten.
Sind die Berge noch zu retten? Sind die Alpen noch zu retten? Das Hochgebirge war immer schon ein Ort starker Veränderungen, schon allein aufgrund der Naturgewalten, die hier oben herrschen. Der Klimawandel beschleunigt und vergrößert diese Veränderungen jedoch. Und wir Menschen werden uns dieser Entwicklung anpassen müssen. Wir werden Bewegungs- und Lebensraum im Gebirge im Zuge des Klimawandels verlieren und uns aus besonders betroffenen Regionen wieder zurückziehen müssen.