Was ist eine Woche im Almrausch? Die einen verherrlichen die schöne Alpenrose – die übrigens nicht mit der Rose , sondern mit den Heidkrautgewächsen verwand ist - in der Dichtung, die anderen sehen in ihrem wirren, zähen, nicht ausrottbaren Gezweig ein "Unkraut", ein lästiges Hindernis für eine "ordentliche" Weidewirtschaft. So trägt die Alpenrose im Salzburgischen auch die schimpfierende Bezeichnung "Schinderblüh“. In anderen Gebirgsgegenden ist man der Meinung, dass das "lästige Almunkraut" doch noch zu etwas nützlich sei: den Rindern den "Rausch", eine Rinderkrankheit, auszutreiben. Daher stammt dann auch der Name Rauschkraut. Dem Almrausch sind wir in der Woche weniger begegnet, umsomehr dem kriechenden Wacholder und zahlreichen Jungpflanzen, die mit der Zeit die Almen nicht mehr für das Weidevieh nutzbar und erreichbar werden lassen. Aber erst einmal ging es mit dem Traktor hinauf zur Watzinger Alm, denn der Aufstieg zu Fuß mit unserem Reisegepäck wäre nach der langen Zugfahrt sicherlich eine Herausforderung gewesen.
Dem Genuss und dem Luxus zu entfliehen war für uns umso schwerer, da unsere Gastgeberfamilie, das Ehepaar Watzinger, keine Gelegenheit ausließ uns mit Spezialiäten des Landes Kärnten zu versorgen. Schinken, regionaler Käse, selbstgemachtes Brot und Marmeladen, eigene Butter, frisch Geschlachtetes und Gepökeltes, Kuchen direkt aus dem Ofen, aufgesetzte Liköre und ein weltbestes Sonntagsmahl auf 1600 m Höhe. Doch die gute Speise ließ unsere Kräfte und Motivation auf ein Maximum wachsen und so haben wir, zum Erschrecken aller, sechs Tage durchgearbeitet, uns mit der Umgebung vertraut gemacht und Tag für Tag unsere Fortschritte bewundern können.